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Handreichung zum Erstellen von Seminar- und Abschlussarbeiten am Slavischen Institut der Universität zu Köln

1. Formales

Die Seminar- und Examensarbeiten werden in deutscher Sprache verfasst (alternativ ist ein Verfassen in englischer Sprache möglich). Sie müssen (in beiden Fällen) sprachlich korrekt sein und stilistisch dem Genre der wissenschaftlichen Arbeit entsprechen, so dass der Text vor der Abgabe von einer KorrekturleserIn gelesen werden muss, die mit den Normen der Schriftsprache vertraut ist. Außerdem muss die sprachliche Form den Normen der slavistischen Fachsprache entsprechen. Zum Beispiel schreiben wir in der westdeutschen Slavistik das Wort slavisch und seine Ableitungen mit v, und in der Sprachwissenschaft ist Korpus ein Maskulinum und Partikel (die Wortart) ein Femininum:

SingularPlural  SingularPlural
Nom.das Korpusdie KorporaNom.die Partikeldie Partikeln
Gen.des Korpusder KorporaGen.der Partikelder Partikeln
Dat.dem Korpusden KorporaDat.der Partikelden Partikeln
Akk.das Korpusdie KorporaAkk.die Partikeldie Partikeln

Der Seminararbeit geht ein Titelblatt voraus, das den Titel der Arbeit, den Namen der VerfasserIn, Matrikelnummer und S-Mail-Adresse, Studiengang mit Fachsemester sowie den Kontext der Arbeit (Titel des Haupt-/Proseminars mit Semester und DozentIn, Slavisches Institut, Universität zu Köln) enthält. Es folgt ein Inhaltsverzeichnis mit Seitenangaben (in dem alle Teile der Arbeit außer Titelblatt, Inhaltsverzeichnis und Antiplagiatserklärung aufgeführt sind).

Die Arbeit ist möglichst in einer einzigen, schlichten Schriftart mit Serifen (Garamond, Book Antiqua, Cambria, Constantia, Times o. Ä.) zu drucken. (Serifenlose Schriften wie Helvetica, Arial, Tahoma, Verdana, Candara, Calibri usw. eignen sich für Fließtext weniger gut.) Im laufenden Text wird der Beginn eines neuen Absatzes eingerückt (mit Ausnahme des ersten Abschnittes nach einer Kapitelüberschrift). Schusterjungen und Hurenkinder sind zu vermeiden. Dazu gibt es im Textverarbeitungsprogramm die Funktion »Absatzkontrolle« bzw. für Überschriften die Funktion »mit Folgendem zusammenhalten«. Es wird empfohlen, die fertige Arbeit nach doppelten Leerzeichen zu durchsuchen und überflüssige Leerzeichen zu löschen. Sie können zur Vereinfachung der Formatierung in Ihrem Textverarbeitungsprogramm Formatvorlagen definieren (z. B. »Überschrift 1«, »Laufender Text«, »Zitat«), die Sie den Abschnitten in Ihrem Text zuweisen. (Die vordefinierten Vorlagen sind allerdings meist unbrauchbar.) Eine Hervorhebung bestimmter Wörter bzw. Gedanken sollte eher durch sprachliche Mittel als durch typographische Mittel erreicht werden.

Anführungszeichen (in der Form „ “, » « oder « » oder im Englischen “ ”, nicht " ") sollten nur für Zitate verwendet werden, Werktitel werden im laufenden Text kursiv gesetzt. Auch Elemente der Objektsprache werden kursiv gesetzt. Ihnen folgt eine Bedeutungsangabe in einfachen Anführungszeichen oben, und bei mehreren in der Arbeit behandelten Sprachen geht ihnen die Abkürzung der jeweiligen Sprache voraus, z. B.:

russ. slovo ‘Wort’, poln. słowo ‘dass.’, skr. slovo ‘Buchstabe’

Russ. ob ėtom govorilos’ ‘darüber wurde gesprochen’ entspricht poln. o tym mówiono.

(In hand- und maschinenschriftlichen Texten, in denen man nicht kursivieren kann, z. B. in Klausuren, wird übrigens stattdessen wortweise unterstrichen: Russ. ob ėtom govorilos’ ‘darüber wurde gesprochen’ entspricht poln. o tym mówiono. Auf keinen Fall dürfen Anführungszeichen verwendet werden, wo es sich nicht um Zitate aus der Sekundärliteratur handelt.)

Kurze Zitate werden im Text recte in Anführungszeichen gesetzt, die Übersetzung folgt (ebenfalls in Anführungszeichen) in runden Klammern. Längere Zitate werden vom Text abgesetzt und eingerückt.

Im laufenden Text werden Wörter aus kyrillisch geschriebenen Sprachen grundsätzlich wissenschaftlich transliteriert (vgl. Transliterationstabelle). Phonetische und phonologische Angaben werden nach dem Internationalen Phonetischen Alphabet transkribiert.

Bedeutungsangaben von Objektsprache und Übersetzungen von Zitaten sind für alle Sprachen außer Englisch und Deutsch notwendig, denn alle Arbeiten sollen grundsätzlich so geschrieben werden, dass sie auch von NichtslavistInnen verstanden werden können. (Bei Bachelor-, Master- und Magisterarbeiten schreibt das Zweitgutachten oft eine ProfessorIn aus einem anderen Fach.)

Aus diesem Grund ist in linguistischen Arbeiten häufig eine interlineare Glossierung (Wort-für-Wort-Übersetzung) von Beleg- und Beispielsätzen erforderlich, die auch LeserInnen, die der Objektsprache nicht mächtig sind, das Verstehen der sprachlichen Struktur ermöglicht, z. B.:

(1) Ząb-k-i miał oglądan-e w czerwc-u. (poln.)
Zahn-dim-akk.pl.gg er.hatte untersucht-akk.pl.gg in Juni-lok.sg
‘Seine Zähnchen sind im Juni untersucht worden.’
(2) Ona ši-l-a sebe nov-oe plat’-e. (russ.)
Sie nähen-prät-sg.f sich.dat neu-akk.sg.n Kleid.n-akk.sg
‘Sie nähte sich ein neues Kleid.’

Empfehlungen für weitere Details zur Wort-für-Wort-Übersetzung finden sich in den Leipzig Glossing Rules.

2. Zitierweise

In einer wissenschaftlichen Arbeit ist jeder Gedanke, der nicht ursprünglich von Ihnen stammt, mit einer Quellenangabe zu versehen. Geschieht dies nicht, wird dem Autor des Gedankens seine Idee geklaut und als die eigene ausgegeben. Dies ist ein Plagiat.

Unsauberes Zitieren oder Abschreiben fremder Texte ist eine Ordnungswidrigkeit, für die die Universität ein Bußgeld von bis zu 50 000 € verhängen kann (vgl. die Handreichung Zum Umgang mit Plagiaten der Philosophischen Fakultät). Darüber hinaus kann die Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung (der von Ihnen unterschriebenen »Antiplagiatserklärung«) nach § 156 StGB »mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe« bestraft werden.

Fremdsprachige (auch slavische) wörtliche Zitate werden in Original und Übersetzung angeführt, nur deutsche und englische Zitate werden ausschließlich im Original angeführt. Zitate, die länger als ein Teilsatz sind, werden in der Regel graphisch abgesetzt (um 1 cm eingerückt) und stehen dann nicht in Anführungszeichen. Auslassungen in wörtlichen Zitaten werden durch »[…]« markiert, Ergänzungen im Zitat stehen in eckigen Klammern. Fehler im Original werden beim Zitieren entweder in eckigen Klammern korrigiert oder unverändert übernommen und dann durch »[sic]« gekennzeichnet.

Wird ein Textabschnitt lediglich sinngemäß mit eigenen Worten wiedergegeben, ist die Angabe der Quelle gleichwohl erforderlich. Es ist zudem auf eine klare Abgrenzung zu eigenen Beobachtungen und Gedanken zu achten. Wichtig ist hier, dass ein nicht durch Anführungszeichen als wörtliches Zitat gekennzeichneter Text wirklich in eigenen Worten wiedergegeben werden muss und nicht eng paraphrasiert werden darf. Es ist nicht zulässig, lediglich einige Wörter umzustellen und/oder durch Synonyme zu ersetzen. So darf zum Beispiel der Satz »Uževyčs ukrainische Sprache weist Merkmale der Pidljaššja- bzw. Westpoliśśa-Mundarten auf« (Horbač 1980: 67) nicht so paraphrasiert werden:

Uževyčs Ukrainisch hat Eigenschaften der Westpoliśśa- und Pidljaššja-Dialekte (Horbač 1980: 67).

Eine Wiedergabe mit eigenen Worten muss den Text auf das eigene Erkenntnisinteresse hin zusammenfassen, zum Beispiel folgendermaßen:

Horbač (1980: 67) ordnet Uževyčs Sprache geographisch in das Gebiet der Pidljaššja- und Westpoliśśja-Mundarten ein.

Grundlage der Argumentation ist stets der Wortlaut des Originaltextes. Primärtexte werden nach der besten zugänglichen wissenschaftlichen Ausgabe zitiert. Aus der Sekundärliteratur wird nur dann wörtlich zitiert, wenn der genaue Wortlaut von Bedeutung ist. Alle Texte, die in gedruckter Form existieren, werden nach Möglichkeit nach der besten zugänglichen veröffentlichten Version zitiert. Internetquellen werden nur zitiert, falls der entsprechende Text nicht gedruckt vorliegt. In diesem Fall wird neben Autor, Titel und Publikationsjahr des Textes (diese Angaben dürfen auf keinen Fall fehlen; sollte z. B. das Publikationsjahr auch über Impressum und Quelltext nicht zu ermitteln sein, ist es mit »o. J.« (= ohne Jahr) anzugeben) anstelle des Verlagsorts die kürzestmögliche Form der zu der zitierten Seite führenden URL in <spitzen Klammern> mit Abrufdatum angegeben. Dies bedeutet insbesondere, dass in Google Books, Gallica, Knigafund etc. gelesene Bücher wie gedruckte Bücher zitiert werden. Indirekte Zitate (»zitiert nach:«) sollten nur in seltenen Ausnahmen verwendet werden, jedes Zitat sollte wenn möglich in seinem ursprünglichen Kontext gelesen und nach der besten zugänglichen Ausgabe zitiert werden. Sie haben die freie Wahl zwischen zwei Zitierweisen: dem traditionellen System mit Quellenangaben in Fußnoten (das in der Literaturwissenschaft empfohlen wird) und der Klammer-Zitierweise nach dem Autor-Jahr-System (das in der Linguistik inzwischen fast ausschließlich gebraucht wird).

a) Quellenangaben in Fußnoten

Die Fußnoten können neben den Quellenangaben ergänzende Informationen und Erläuterungen enthalten. Es sollte jeweils klar erkennbar sein, zu welchem Aspekt ein zitiertes Werk Informationen liefert. Bei der ersten Nennung werden in der Fußnote jeweils die kompletten bibliographischen Angaben gemacht, wie sie auch im Literaturverzeichnis stehen. Bei wiederholter Zitierung desselben Werkes wird die Angabe abgekürzt, z. B. in der Form: Sakulin, P. N.: Iz istorii russkogo idealizma [wie Anm. 1], S. 75. Jede Fußnote beginnt mit einem Großbuchstaben und endet mit einem Punkt. Die Seitenzahlen geben genau die erste und letzte Seite an, auf die sich ein Hinweis bezieht, die Abkürzung f. bzw. ff. sind zu vermeiden.

Am Ende der Arbeit steht ein Literaturverzeichnis, das alle zitierten Werke in alphabetischer Folge nachweist (ggf. getrennt in Quelltexte und wissenschaftliche Literatur), dabei werden kyrillisch geschriebene Werke transliteriert. Die Form der bibliographischen Angaben sollte in jedem Falle in sich einheitlich sein. Als Anhaltspunkt wird die folgende Zitierweise empfohlen:

Puškin, Aleksandr Sergeevič: Polnoe sobranie sočinenij v semnadcati tomach. Moskva 1937–1959. Bd. 3, S. 27.

Feyerherd, Vera: Zwei romantische Erzählungen V. F. Odoevskijs. In: Zeitschrift für Slawistik 18 (1973). S. 120–143.

Tur’jan, Mariėtta Andreevna: Ėvoljucija romantičeskich motivov v povesti V. F. Odoevskogo Salamandra. In: Russkij romantizm. Hrsg. v. K. S. Grigor’jan. Leningrad 1978. S. 187–206.

Wird das Literaturverwaltungsprogramm Zotero verwendet, so wird die Verwendung des Stils Kritische Ausgabe empfohlen (in englischer Sprache verfasste Arbeiten folgen dem Chicago Manual of Style). Aus Datenbanken entnommene Angaben sind dabei ggf. manuell nachzuarbeiten (so werden z. B. Titel und Untertitel im Deutschen durch einen Punkt getrennt).

b) Autor-Jahr-System

Die Quellenangaben stehen in Klammern direkt im Text, und zwar in der Form »Autor Jahr: Seitenzahl«, z. B.:

Diese Beobachtungen sichern Uževyč »einen angemessenen Platz in der Vorgeschichte der Slavistik in den nichtslavischen Ländern« (Keipert 2001a: 37).

Koschmieder (1934: 11) bezeichnet biaspektuelle Verben als »aspektlos« (»bezaspektowe«) oder »communia«.

Die vollständigen bibliographischen Angaben stehen bei diesem Zitiersystem ausschließlich im Literaturverzeichnis, das alle zitierten Werke in alphabetischer Folge nachweist (ggf. getrennt in Quelltexte und wissenschaftliche Literatur). Dabei werden kyrillisch geschriebene Werke transliteriert. Von der unter a) genannten Form unterscheidet sich dieses System lediglich darin, dass das Publikationsjahr direkt hinter den Vornamen der AutorIn genannt wird, um mehrere Werke derselben AutorIn nach Erscheinungsjahr sortieren zu können. Wenn mehrere Werke derselben AutorIn aus demselben Jahr in der Arbeit zitiert werden, werden sie durch Buchstaben (a, b, c …) hinter der Jahreszahl unterschieden. Auch hier gilt, dass die Form der bibliographischen Angaben in jedem Fall in sich einheitlich sein sollte, z. B.

Horbatsch, Olexa. 1980. Die polnische Grammatiklehre und Lexikographie des 16. Jahrhunderts und ihr Einfluß auf die Grammatiken und Wörterbücher bei den Ukrainern. In: Fragen der polnischen Kultur im 16. Jahrhundert: Vorträge und Diskussionen der Tagung zum ehrenden Gedenken an Alexander Brückner, Bonn 1978. Bd. 1. Hg. Reinhold Olesch, Hans Rothe. Gießen. 63−76.

Katičić, Radoslav. 1984. The making of Standard Serbo-Croat. In: Aspects of the Slavonic language question. Ed. R. Picchio, H. Goldblatt. New Haven. 261−295.

Keipert, Helmut. 2001a. »Rozmova/Besěda«. Das Gesprächsbuch Slav. № 7 der Bibliothèque nationale de France. Zeitschrift für Slavische Philologie 60(1). 9−40.

Keipert, Helmut. 2001b. Kirchenslavisch als Konstrukt. Slavia: Časopis pro slovanskou filologii 70. 373−381.

Koschmieder, Erwin. 1934. Nauka o aspektach czasownika polskiego w zarysie. Próba syntezy. Wilno.

Robb, Thomas. 2003. Google as a quick ’n dirty corpus tool. TESL-EJ [= Teaching English as a Second Language – Electronic Journal] 7(2). <http://tesl-ej.org/ej26/int.html> (abgerufen 12.05.2014).

3. Inhaltliches

Das Ziel der wissenschaftlichen Recherche ist es, aus der verfügbaren Sekundärliteratur jene Texte herauszufiltern, die für die eigene Fragestellung relevant sind. Die Darlegung sollte stets von der eigenen Frage, nicht von der Argumentation der gewählten Sekundärliteratur geleitet werden. Die richtet sich an eine LeserIn, die mit dem jeweiligen Fach und der grundlegenden Forschung vertraut und auf die spezielle Fragestellung gespannt ist. In der Argumentation sollten eigene Beobachtungen und Gedanken nicht mit jenen der Sekundärliteratur verschwimmen. In literaturwissenschaftlichen Arbeiten ist eine Inhaltsangabe der behandelten Werke nicht notwendig. Teile der Handlung werden nur paraphrasiert sofern dies für die eigene These unbedingt notwendig und unmittelbar an diese geknüpft ist. Die Wissenschaftlichkeit einer Arbeit äußert sich darin, dass jedes angeführte Argument nachprüfbar ist. Das bedeutet, dass jedes Argument für (oder auch gegen) die aufgestellte Hypothese sich entweder aus Primär- oder Quelltexten oder aus wissenschaftlichen Werken ergibt, die jeweils so zitiert werden, dass die LeserIn der Arbeit die zitierte Stelle im Original leicht auffinden und selbst nachlesen kann, oder die Argumentation beruht auf eigenen empirischen Erhebungen (z. B. einer Korpusrecherche oder einer Fragebogen-Untersuchung), bei denen das eigene Vorgehen so genau beschrieben wird, dass die LeserIn die Erhebung selbst wiederholen könnte (und dann zu den gleichen Ergebnissen kommen müsste).

Die Arbeit beginnt in der Einleitung gewöhnlich mit einer kurzen, prägnanten Hinführung zum Thema, in der generelle Informationen (z. B. zur Epoche oder zum Leben eines bekannten Autors) unnötig sind. Lehrbücher, Einführungen, Literaturgeschichten und Ähnliches dienen dazu, sich mit dem Thema vertraut zu machen, sie sind in der Regel jedoch keine Quelle für wissenschaftliche Hausarbeiten und werden nur in besonders begründeten Fällen zitiert.

Bei der Übertragung von Fachtermini aus anderen Sprachen ist darauf zu achten, ein passendes (ggf. das bereits etablierte) deutsche Äquivalent zu finden oder – falls der Ausdruck transliteriert wird – eine kurze Erklärung zu geben.

Der eigentliche Text der Arbeit besteht aus einer Einleitung (nicht »Vorwort«), die die Kapitelnummer 1 (bzw. römisch I) erhält, einem aus mindestens zwei Kapiteln bestehenden so genannten Hauptteil und einem Schlusswort. Der Hauptteil ist keine lineare Aneinanderreihung von Kapiteln (wie etwas in Romanen), sondern hierarchisch gegliedert (d. h. Kapitel 2 könnte z. B. aus den Unterkapiteln 2.1, 2.2 und 2.3 bestehen, Unterkapitel 2.2 gliedert sich weiter in 2.2.1 und 2.2.2 usw.). Die sinnvolle Gliederung des zu bearbeitenden Stoffs ist ein wichtiges Analyse-Instrument. (Daher ist es sinnlos, wenn ein Kapitel ‚durch 1 geteilt‘ wird, wenn es also z. B. ein Kapitel 2.2.1 gibt, aber kein Kapitel 2.2.2.) Nach dem Schlusswort folgt das Literaturverzeichnis (nicht »Bibliographie«!), das ebenso wie eventuelle weitere Anhänge keine Kapitelnummer erhält.

Für linguistische Arbeiten gilt zudem für den Aufbau der Arbeit (bis Ende Punkt 3):

Eine wissenschaftliche Arbeit stellt eine falsifizierbare und operationalisierbare Hypothese auf und überprüft diese anhand der verfügbaren Quellen, empirischen Daten, Primärtexte und/oder wissenschaftlichen Literatur. Dabei bedeutet falsifizierbar, dass von Beginn der Arbeit an klar ist, welche Ergebnisse der Recherche dazu führen würden, dass die Hypothese sich als falsch erweist. Operationalisierbar bedeutet, dass sich die Hypothese durch spezifische und klar umgrenzte, d. h. im für die Arbeit zur Verfügung stehenden Zeitrahmen zu leistende Untersuchungen überprüfen lässt. Eine schlechte Hypothesen wäre beispielsweise »Das Russische enthält zu viele Fremdwörter«. Hier ist völlig unklar, wie dies zu beweisen oder zu widerlegen wäre. (Wie viele Fremdwörter sind zu viel für was?) Eine gute Hypothese wäre hingegen »In der gebildeten russischen Schriftsprache (exemplifiziert an Leitartikeln in der Izvestija) ist die Zahl der Fremdwörter zwischen 1985 und 1995 stärker gestiegen als zwischen 1975 und 1985«. Hier ist direkt klar, was zu untersuchen ist (die Izvestija-Leitartikel zwischen 1975 und 1995), welche Termini vorab definiert werden müssen (z. B. »Fremdwort«) und bei welchem Untersuchungsergebnis sich die Hypothese als falsch erweisen würde (wenn die Fremdwortdichte nach 1985 nicht signifikant stärker steigt als vorher). Die Hypothese sollte so früh wie möglich formuliert werden. Aus der Hypothese ergibt sich die Vorgehensweise, so dass die Gliederung der Arbeit im Anschluss begründet wird.

Die Kapitel des so genannten Hauptteils haben nur einen einzigen Zweck, nämlich systematisch zur Verifizierung oder Falsifizierung der Hypothese beizutragen. Alles, was diesem Zweck nicht dient, ist gnadenlos wegzulassen – so interessant es auch sein mag. Die Stringenz der Arbeit äußert sich auch darin, dass die Reihenfolge der Kapitel nicht beliebig ist.

Das Schlusswort der Arbeit muss auf jeden Fall die Frage beantworten, ob die Hypothese bestätigt oder widerlegt wurde. (Dabei stellt sich häufig heraus, dass die Realität komplexer ist als bei Aufstellung der Hypothese gedacht und die Frage daher nicht eindeutig mit Ja oder Nein beantwortet werden kann.) Je nach Aufbau der Arbeit kann dazu eine Zusammenfassung der Argumentation im Hauptteil sinnvoll oder überflüssig sein. Weitere, bisher noch nicht gebrachte Argumente gehören aber nicht ins Schlusswort. Sinnvoll sind auf jeden Fall eine Bewertung der Ergebnisse und evtl. ein Ausblick, welche Fragen noch offen geblieben sind und wie sie beantwortet werden könnten.

4. Vorgehen

Meist entsteht die Seminararbeit aus einem Kurzreferat im Seminar, an das sich eine Diskussion angeschlossen hat. Die Abschlussarbeit knüpft an Themen von Lehrveranstaltungen oder an eigene Interessen an. Die endgültige Fragestellung wird in einer Sprechstunde der BetreuerIn besprochen. Es wird empfohlen, auf dieser Grundlage eine Einleitung schreiben und diese der BetreuerIn vorzulegen (z. B. per E-Mail).

Sofern nichts etwas Anderes vereinbart wurde, ist die Abgabefrist für Seminararbeiten der letzte Tag des Semesters (d. h. der 30. September für ein Sommersemester und der 31. März für ein Wintersemester). In der Regel sollten Arbeiten ausgedruckt (in einfacher Ausführung) abgegeben werden, in besonderen Fällen ist bei Seminararbeiten eine elektronische Abgabe (als pdf-Dokument per E-Mail) möglich.